Grenzüberschreitende Übung

Die Feuerwehren Schärding und Neuhaus üben mit der Drehleiter am Wohnstift Innblick

Neuhaus am Inn. Die Gemeinde Neuhaus am Inn und die Stadtgemeinde Schärding arbeiten politisch sehr gut zusammen – sind doch beide Kommunen seit Februar 2018 als grenzüberschreitendes Doppel-Mittelzentrum in der aktuellen Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) festgeschrieben. Aber auch beste grenzüberschreitende Gemeinde- und Feuerwehrkooperation wird im Raum Schärding gelebt, denn die Gemeinden Schärding, Brunnenthal, St. Florian am Inn und die bayerische Gemeinde Neuhaus am Inn haben ein gemeinsames Sandsacklager errichtet, um für das nächste Hochwasser- oder Starkregenereignis gut gerüstet zu sein.

Die Hochwasser 2002 und 2013 haben allen Beteiligten gezeigt, dass im Bereich des Sandsackmanagements Verbesserungsbedarf besteht. An einem für alle Feuerwehren gut erreichbaren Standort direkt am Inn, aber im Schutzbereich des 100-jährliche Hochwassers, wurde das so genannte KAT-Lager errichtet, das das grenzüberschreitend genutzte Sandsacklager mit Befüllungsanlage beherbergt und auch die mobilen Hochwasserschutzelemente und andere Utensilien, die für den Katastrophenschutz benötigt werden. Das rund 1,4 Millionen Euro teure Projekt wurde im September 2017 fertig gestellt und am 7. Oktober 2017 offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Auch im Rahmen der Aus- und Weiterbildung bzw. Zusammenarbeit werden gemeinsame Übungen abgehalten. Eine dieser Übungen fand im „Wohnstift Innblick“ in Neuhaus statt. Dabei wurde angenommen, wie der Einsatzleiter Kommandant Klaus Schifferer (FFW Neuhaus am Inn) erklärte, dass im zweiten Stockwerk der Senioreneinrichtung ein Feuer ausgebrochen sei. Die Folge war eine starke Rauchentwicklung. Von der zuerst an der angenommenen Einsatzstelle eintreffenden Feuerwehr Neuhaus am Inn wurde zur Brandbekämpfung zuerst eine B-Leitung aufgebaut. Gleichzeitig gingen dann die Atemschutzgeräteträger mit drei C-Rohren im Innenangriff zur Personenrettung (es befanden sich laut Angaben der Heimleitung fünf Personen im Gefahrenbereich) und zur Brandbekämpfung vor.

Während vier Personen noch über das Treppenhaus gerettet werden konnten, wartete eine Person auf dem Balkon, der sich auf der Rückseite des Gebäudes befand. Zwischenzeitlich war dann auch die Nachbarfeuerwehr Schärding an der Einsatzstelle und unterstützte die FFW Neuhaus bei ihren Aufgaben. Die FF Schärding kam aufgrund der abgesetzten Meldung auch mit der Drehleiter. Mit der Drehleiter mit Korb 23/12 (DLK 23/12) ist es möglich, sowohl Löscharbeiten als auch Menschenrettungen durchzuführen. „Da nur wenige Feuerwehren über ein solches Fahrzeug verfügen, stehen wir mit der Drehleiter stets für überregionale Einsätze, auch landesübergreifend, zur Verfügung“, so der Schärdinger Kommandant Abschnittsbrandinspektor Markus Fuertner. Durch die vorgegebene Situation ergab sich aber dennoch ein Problem, da dieses Fahrzeug aus einer großen Entfernung zum Gebäude die Menschenrettung vornehmen musste. Dadurch sinkt natürlich auch die Belastbarkeit für die Drehleiter deutlich. Die Personenrettung über den Balkon ging aber trotzdem rasch über die Bühne.

Nach getaner Arbeit fanden sich die 42 Einsatzkräfte (21 von der FF Schärding und ebenfalls 21 von der FF Neuhaus am Inn) zur Übungsschlussbesprechung im Speisesaal des „Wohnstiftes Innblick“ ein. Der Neuhauser Kommandant und Einsatzleiter Klaus Schifferer lies dabei das Einsatzgeschehen noch einmal Revue passieren. Zuerst aber bedankte sich Schifferer bei der Heimleitung mit Martin Endres, Angelo Reif und Stefan Albert, die es ermöglichten, diese Übung abzuhalten. Schifferer sprach zuerst die Rauchmelder im Gebäude an. Zur Personenrettung und Brandbekämpfung gingen die Atemschutzgeräteträger im Innengriff vor. Weitere Unterstützung kam dann mit den Einsatzkräften der FF Schärding sowie durch deren Drehleiter, die dann im Innenhof und somit von der Gebäuderückseite her eingesetzt wurde. „Für uns ist es wichtig, dass wir gleich an der Einsatzstelle einen Ansprechpartner haben, der uns kurz die Situation und die örtliche Gegebenheit schildert und auch auf die Personen, die sich im Gefahrenbereich befinden hinweist. Die erste Meldung ist damit für uns sehr wichtig“, fügte er an. Besondere Dankesworte richtete Klaus Schifferer auch an seinen Stellvertreter Martin Schifferer sowie an die beiden Schärdinger Feuerwehrkommandanten Markus Furtner und Daniel Galos.
Kreisbrandmeister Markus Stöckl bedankte sich ebenfalls bei der Heimleitung bzw. Geschäftsführung, die diese Übung ermöglichte. „Wir haben hier eine nicht alltägliche Situation vorgefunden“, merkte er an. Auch habe die Übung gezeigt, dass bei der Drehleiter Grenzen vorgegeben sind. Da bat er die Geschäftsführung des Heimes darum, dass man prüfen solle, ob nicht die Möglichkeit bestehe, dass man mit der Drehleiter näher ans Gebäude heranfahren könne.
Der Kommandant der FF Schärding, Abschnittsbrandinspektor Markus Furtner, sagte dazu, dass eben bei einer Länge von 20 Metern das Maximum bei der Drehleiter erreicht sei. Weiter hob er einmal mehr die gute Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren Neuhaus am Inn und Schärding hervor. Die Übung sei sehr gut verlaufen und alles habe geklappt, sagte Furtner.

Es sei alles sehr professionell abgelaufen, bestätigten Geschäftsführer Martin Endres und Heimleiter Angelo Reif. Jeder der Einsatzkräfte wusste, was er zu tun habe, und so erfolgte die Personenrettung und Brandbekämpfung auch sehr rasch. Beide boten den Wehren an, dass eine derartige Übung wiederholt werden soll. Zu den aufmerksamen Übungsbeobachtern gehörten Kreisbrandmeister Markus Stöckl und der Österreichische Landes-Feuerwehrkommandant-Stellvertreter Michael Hutterer. An die Übungs-Schlussbesprechung im „Wohnstift Innblick“ schloss sich noch ein gemütliches Beisammensein im Feuerwehrgerätehaus Neuhaus an.


Quelle: Passauer Neue Presse vom 12.09.2026